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Ein Tag, den ich nie vergessen werde – Challenge Roth 2026


Foto: Raithel Christoph

Manche Rennen werden an der Endzeit gemessen. Andere an den Erinnerungen, die sie hinterlassen. Die Challenge Roth 2026 war für mich beides.


Mit über 300'000 Zuschauerinnen und Zuschauern entlang der Strecke herrschte eine Atmosphäre, wie ich sie bisher noch nie erlebt habe. Dieser Tag wird mir für immer in Erinnerung bleiben.


Foto: Bergauer Bernhard

Die letzten Tage vor dem Rennen waren intensiv. Nebe der sechsstündigen Anreise nach Roth standen die Streckenbesichtigung, das Profi-Briefing, die letzten Trainingseinheiten sowie die Vorbereitung des gesamten Materials auf dem Programm. Das Rad musste eingecheckt werden, letzte Details wurden kontrolliert und zwischen all den organisatorischen Aufgaben versuchte ich, möglichst ruhig zu bleiben, mich gut zu erholen und meine Kohlenhydratspeicher für den langen Renntag optimal zu füllen.


Um 6.30 Uhr fiel der Startschuss.


Die ersten Minuten eines Schwimmstarts sind jedes Mal pures Chaos. Die richtige Position ist entscheidend. Ellbogen, Fusstritte und ein Sprint, als würde das Rennen nur fünf Minuten dauern, all das gehört dazu. Ich kämpfte um jeden Meter und wollte die unzähligen Trainingsstunden im heimischen Becken in ein gutes Resultat ummünzen.

Dann folgte einer der schönsten Momente des Tages.


Ich fand mich in der ersten grossen Verfolgergruppe wieder, gemeinsam mit Weltmeister Patrick Lange und weiteren Favoriten des Rennens. Nach 51 Minuten verliessen wir das Wasser, lediglich vier Minuten hinter der Spitzengruppe.

Für mich war das ein Traumstart in den Wettkampf.

Bereits beim Schwimmen war die Stimmung schlicht überwältigend. Entlang des Kanals standen die Zuschauerinnen und Zuschauer in mehreren Reihen dicht gedrängt und feuerten uns ununterbrochen an. Diese Kulisse gab dem Rennen von Beginn an eine ganz besondere Energie.


Auf dem Rad wollte ich von Anfang an offensiv fahren. Mein Ziel war es, den Anschluss an eine starke Gruppe zu finden. Dafür trat ich deutlich über meinen geplanten Wattwerten. Trotzdem reichte es nicht, um mit den ganz grossen Namen unseres Sports mitzuhalten. Das zeigt, wie hoch das Niveau an der Weltspitze noch immer ist und gleichzeitig motiviert es mich, weiter an mir zu arbeiten.


Und dann kam der Solarer Berg.


Worte werden dieser Atmosphäre kaum gerecht. Links und rechts der Strasse standen Tausende von Menschen, die nur einen schmalen Korridor zum Durchfahren freiliessen. Für einen Moment fühlte es sich an wie bei der Tour de France. Der Lärm war so gewaltig, dass mir regelrecht die Ohren schmerzten. Ein Gänsehautmoment, den ich nie vergessen werde.

Die ersten 110 Kilometer verliefen genau nach Plan. Ich fühlte mich stark und konnte konstant über meiner geplanten Leistung fahren. Doch dann meldete sich meine verletzte Oberschenkelrückseite wieder.

Plötzlich ging es nicht mehr darum, wie schnell ich sein konnte, sondern darum, ob ich das Rennen überhaupt beenden würde.


Ich versuchte, meine Sitzposition anzupassen, den Muskel immer wieder etwas zu entlasten und den Schmerz auszuhalten. Schliesslich erreichte ich nach 180 Kilometern die zweite Wechselzone. Mit einem Schnitt von 41,5 km/h und einer Radzeit von 4:20 Stunden stellte ich eine neue persönliche Bestleistung auf.


Der Marathon wurde anschliessend zur Geduldsprobe.


Meine Oberschenkelrückseite machte sich weiterhin bemerkbar. Deshalb startete ich bewusst kontrolliert und konzentrierte mich darauf, locker zu bleiben und positiv zu denken. Erneut war die Stimmung entlang der Strecke unglaublich. Die Unterstützung der Zuschauer trug mich durch schwierige Momente und machte den Schmerz deutlich erträglicher.

Nach rund 10 Kilometern lockerte sich die Muskulatur langsam und das Vertrauen kehrte zurück. Ich fand meinen Rhythmus und konnte mein Tempo bis zur 30-Kilometer-Marke konstant halten.


Die letzten zwölf Kilometer verlangten mir alles ab.

Jeder Muskel schmerzte, und ich spürte deutlich, dass mir aufgrund meiner Vorbereitung einige Laufkilometer fehlten. Doch ans Aufgeben dachte ich keine Sekunde. Schritt für Schritt kämpfte ich mich dem Ziel entgegen.


Nach 8:11:39 Stunden überquerte ich überwältigt die Ziellinie.

Eine neue persönliche Bestzeit – 20 Minuten schneller als je zuvor. Mein erster Marathon unter drei Stunden. Ein Renntag, den ich wohl nie vergessen werde.


Danke, Roth!


Danke an alle Zuschauerinnen und Zuschauer, die entlang der Strecke eine unvergleichliche Atmosphäre geschaffen haben.


Danke an meine Sponsoren und Partner sowie an meine Familie, Freunde und Unterstützer, die mich auf diesem Weg begleiten.


Ein besonderer Dank gilt meinem Coach für die tägliche Arbeit und das Vertrauen.


Und danke an euch alle, die meine Reise verfolgen. Eure Unterstützung bedeutet mir unglaublich viel.


Die Reise geht weiter.

 
 
 

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