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Inferno Triathlon – Vier Disziplinen, ein Ziel: das Schilthorn

Weil drei Disziplinen nicht genug sind. Und weil flach einfach zu einfach wäre.


So lässt sich wohl einer der schönsten, aber gleichzeitig auch härtesten Triathlons der Welt beschreiben: der Inferno Triathlon. Vier Disziplinen, drei Wechselzonen und ein Ziel auf 2’970 Metern über Meer – dem Schilthorn.

Der Inferno Triathlon beginnt mit 3,1 km Schwimmen im Thunersee, gefolgt von 97 km Rennrad mit 2’145 Höhenmetern. Danach warten 30 km Mountainbike mit weiteren 1’180 Höhenmetern, bevor zum Abschluss ein 25 km langer Berglauf mit 2’175 Höhenmetern auf das Schilthorn führt. Insgesamt kommen damit rund 155 Kilometer und mehr als 5’500 Höhenmeter zusammen.

Der Start erfolgt in Thun, das Ziel liegt hoch oben auf dem Schilthorn. Dazwischen führt die Strecke unter anderem über die Grosse und die Kleine Scheidegg. Allein die Logistik mit vier Disziplinen und drei verschiedenen Wechselzonen macht die Vorbereitung auf den Wettkampf zu einer kleinen Herausforderung für sich: Rennrad in Oberhofen deponieren, anschliessend nach Grindelwald, um das Mountainbike abzugeben, und schliesslich die Laufschuhe in Stechelberg bereitstellen.



Eine Vorbereitung mit Fragezeichen

Die Trainingswochen nach Roth verliefen nicht ganz so, wie ich es mir vorgestellt hatte. Ich fühlte mich häufig müde und hatte Mühe, die geplanten Einheiten wie gewohnt zu absolvieren. In allen drei Disziplinen fehlte mir die gewohnte Leistungsfähigkeit. Entsprechend bescheiden war auch mein Selbstvertrauen vor dem Start.

Trotzdem stand ich am Rennmorgen um 3:30 Uhr auf. Drei Scheiben Brot, ein Espresso – und ab nach Thun.

Nach einem kurzen Einschwimmen fiel mit der aufgehenden Sonne der Startschuss. Auf dem Thunersee blies uns ein kräftiger Wind entgegen und verwandelte den See teilweise in ein regelrechtes Wellenbad. Als guter Schwimmer kamen mir diese anspruchsvollen Bedingungen entgegen.

Ich fand schnell meinen Rhythmus und konnte mich an die Spitze setzen. Nach 3,1 Kilometern stieg ich als Erster aus dem Wasser und hatte rund drei Minuten Vorsprung auf den nächsten Athleten.


Auf dem Rennrad läuft es plötzlich

Auf dem Rennrad fühlte ich mich von Beginn an erstaunlich stark. Die Beine funktionierten, der Kopf war frei und ich konnte meinen Vorsprung weiter verteidigen. Die Strecke führte über einige der schönsten, aber auch anspruchsvollsten Strassen des Berner Oberlands, bis schliesslich die Grosse Scheidegg vor mir lag.

Ich konnte meine Führung behaupten und wechselte motiviert aufs Mountainbike.

Doch dort wurde es zum ersten Mal richtig hart.

Der lange Aufstieg zur Kleinen Scheidegg lag fast vollständig in der Sonne. Ich merkte, wie die Hitze zunehmend an mir zehrte und meine Leistung kontinuierlich abnahm. Aus dem kontrollierten Rennen wurde ein Kampf gegen die eigenen Beine.

Irgendwie schleppte ich mich die rund 1’200 Höhenmeter hinauf. Oben angekommen, konnte ich mich in der langen Abfahrt etwas erholen. Gleichzeitig wurde mir aber bewusst, dass meine Verfolger Zeit gutmachten. Kurz vor der dritten Wechselzone musste ich die Führung schliesslich an einen ehemaligen MTB-Profi und Duathlon-Europameister aus Belgien abgeben.

Noch war das Rennen aber nicht vorbei.



25 Kilometer bis zum Schilthorn

Nun warteten noch 25 Kilometer Berglauf und mehr als 2’100 Höhenmeter auf mich.

Bereits nach den ersten Metern merkte ich, dass der Tank sowohl physisch als auch psychisch ziemlich leer war. Der Aufstieg wurde zu einem zähen und langwierigen Kampf. An den Sieg war zu diesem Zeitpunkt schon lange nicht mehr zu denken.

Mir war schwindlig, alles schmerzte und auch die Atmung bereitete mir zunehmend Mühe. Wahrscheinlich steckte der Ironman in Roth noch tiefer in meinen Knochen, als ich gedacht hatte.

Es ging nur noch langsam vorwärts. Schritt für Schritt.

Und plötzlich wurde auch der Podestplatz wieder zum Thema. Der Drittplatzierte kam immer näher und ich musste tatsächlich beginnen, um meine Platzierung zu kämpfen.

Also weiter. Schritt für Schritt. Meter für Meter.



Angekommen – aber mit gemischten Gefühlen


Nach 9 Stunden und 08 Minuten war es endlich geschafft. Ich überquerte die Ziellinie auf dem Schilthorn – erschöpft, leer und mit ziemlich gemischten Gefühlen.

Einerseits freue ich mich natürlich riesig über den Podestplatz. Ein Rennen wie der Inferno Triathlon ist brutal hart, und auf dem Podium zu stehen, ist definitiv keine Selbstverständlichkeit.

Andererseits konnte ich nicht die Leistung abrufen, die ich mir vor dem Rennen erhofft hatte. Gerade weil die ersten Rennstunden so gut liefen, war es schade, dass ich auf der zweiten Hälfte zunehmend kämpfen musste.

Und dann war da auch noch die andere Seite: In den letzten drei bis vier Stunden war vom ursprünglichen Rennspass nicht mehr besonders viel übrig. Es wurde schlicht und einfach brutal. Irgendwann geht es nicht mehr darum, schnell zu sein oder eine bestimmte Leistung zu erbringen. Dann geht es nur noch darum, weiterzumachen.

Genau das macht den Inferno aber wahrscheinlich auch aus.

Vier Disziplinen. Drei Wechselzonen. Mehr als 5’500 Höhenmeter. Und am Ende ein Ziel auf dem Schilthorn.

Ein Rennen, das mir einmal mehr gezeigt hat, dass nicht immer alles nach Plan laufen muss, um am Ende stolz auf das Erreichte zu sein.


Danke an alle, die mich auf diesem Weg unterstützen – meinen Sponsoren, Gönnern, meinem Umfeld und natürlich allen, die am Streckenrand mitgefiebert und mich ins Ziel getragen haben. Ohne euch wäre ein solcher Tag nicht derselbe.

 
 
 

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